Amazon will wieder einmal eine Branche „umkrempeln“. Diesmal steht die Logistik im Fokus.

Am 4. Mai, Ortszeit USA, hat der E-Commerce-Riese Amazon überraschend offiziell die „Amazon Supply Chain Services (ASCS)“ vorgestellt und öffnet damit sein riesiges Logistiksystem für alle Unternehmen und Branchen.

Nach der Ankündigung fielen die Logistikaktien an der Wall Street stark. Der iShares US Transportation ETF, der die wichtigsten Transportaktien verfolgt, fiel an einem Tag um etwa 4 %, UPS verlor zeitweise über 10 %, FedEx ebenfalls mehr als 9 %. Der Aktienkurs von Amazon stieg hingegen um etwa 1 %.

 

Bildquelle: Internet

Lange Zeit war das Logistiksystem von Amazon wie eine hohe Mauer, nur für Händler auf der eigenen Plattform zugänglich. Diesmal reißt Amazon die Mauer ein und bietet die vollständigen Fähigkeiten für Fracht, Sortierung, Fulfillment und letzte Meile gebündelt für die gesamte Gesellschaft an.

Das ist etwas ganz anderes als einfach nur Pakete per Kurier zu versenden.

Warum also öffnet Amazon den über Jahre mit großen Investitionen aufgebauten „Burggraben“? Dahinter steckt die gleiche Strategie wie bei Amazon Web Services (AWS): Erst die eigenen Bedürfnisse erfüllen, dann die ausgereifte Infrastruktur als kostenpflichtiges Werkzeug anbieten.

 

Bildquelle: CCTV Finanzen

Die ersten großen Kunden sind vorne dabei, der „Alleskönner-Transporteur“ deckt alles ab

„Amazon Supply Chain Services“ ist keine Theorie – die weltweit führenden Hersteller und Einzelhandelsriesen sind bereits dabei, die Dienste zu nutzen.

Der Konsumgüter-Riese Procter & Gamble und der US-Modehändler American Eagle gehören zu den ersten „Mutigen“. Öffentliche Informationen zeigen, dass Procter & Gamble Amazons Frachtservice nutzt, um dringend benötigte Rohstoffe schnell in die Fabrik zu bringen. 3M nutzt das Logistiknetzwerk von Amazon, um Produkte von den Produktionsstätten schnell zu Verteilzentren weltweit zu transportieren.

Noch bemerkenswerter: Procter & Gamble hat den gesamten Transport von Rohstoffen und Fertigwaren direkt an Amazon übergeben. American Eagle hat die komplette Auslieferung aller Bestellungen seines Online-Shops ausgelagert. Das bedeutet: Wenn diese Großkunden den Vorteil erkennen, werden UPS und FedEx ernsthaft Konkurrenz bekommen.

Noch wichtiger: Dieser Service deckt fast alle Transportknotenpunkte zu Wasser, zu Land und in der Luft ab. Von Seefracht, Luftfracht, Landtransport bis hin zu Bahntransport – alles ist enthalten. Unternehmen müssen nicht einmal auf der Amazon-Plattform verkaufen, um das System zu nutzen.

 

Bildquelle:Amazon

Die harte Trumpfkarte erstmals öffentlich – Größe nur hinter FedEx und UPS

Amazon hat das Selbstvertrauen, die gesamte Logistikbranche herauszufordern, weil es auf „schweres Kapital“ setzt.

Laut Amazon-Geschäftsbericht und Berichten besitzt Amazon bis Anfang 2026 in den USA mehr als 200 Fulfillment- und Verteilzentren. Noch beeindruckender ist die eigene Flugzeugflotte – Amazon verfügt über mehr als 100 Frachtflugzeuge, nur FedEx und UPS sind größer. Mit über 80.000 Anhängern und 24.000 intermodalen Containern in den USA ist das Rückgrat der Amazon-Logistik bereits aufgebaut.

Außerdem ist der extrem effiziente Big-Data-Algorithmus eine Geheimwaffe. Mit Hilfe von KI kann Amazon vorhersagen, was du kaufen willst, und die Ware schon im Voraus ins nächstgelegene Lager bringen. Die Endzustellung und Bezahlung von Paketen erfolgt dann laut Daten in nur 2 bis 5 Tagen.

Bernstein-Analysten warnen, dass dieser neue Service die Regeln des US-Logistikmarktes grundlegend verändern und den Wettbewerb um Preis und Lieferzeit unter traditionellen Unternehmen verschärfen könnte.

 

Bildquelle:Amazon

„Integration“ als Erfolgsrezept – digitale Waffen beschleunigen den Umbruch

Mit der Öffnung der Lieferkette hat Amazon die zuvor verstreuten Lager- und Transportdienste zu einem vielseitigen Betriebssystem zusammengefügt. Egal ob Medizin, Fabrik oder Modehandel – im Backend kann man mit einem Klick Rohstofftransport, Hauptlogistik und Endzustellung erledigen.

Außerdem zielt Amazon bereits auf hochwertige, häufige Geschäftssendungen ab. Diese B2B-Geschäfte sind oft profitabler und stabiler als Toilettenpapierlieferungen an Privatkunden – und genau das ist das Kerngeschäft, das UPS und FedEx nicht verlieren wollen.

Natürlich ist das eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Mit der Neugestaltung der Logistiklandschaft durch Amazon müssen auch inländische E-Commerce-Plattformen und Logistikunternehmen überlegen, ob sie künftig „eigene Logistik öffnen“ sollten. Und angesichts der Fragmentierung des globalen Handels: Wird die digitale Lieferkette zum Schutzschild der nächsten Generation von E-Commerce und Industrie?