Das Europäische Parlament hat mit überwältigender Mehrheit von 619 Ja-Stimmen und 26 Nein-Stimmen einen Vorschlag angenommen, darunter eine Maßnahme zur Kontrolle von nicht konformen Waren aus Nicht-EU-Online-Shops.

Laut Daten der Europäischen Kommission erreichte die Anzahl der im Jahr 2024 in die EU eingeführten Niedrigwertwaren 4,6 Milliarden Stück, was bedeutet, dass täglich 12 Millionen Pakete dank Steuerbefreiungen und niedriger Kosten auf den EU-Markt gelangen.

Davon stammen bis zu 91% der Pakete aus China.

Der EU-Abgeordnete Salvatore De Meo äußerte sich dazu unverblümt: „Hinter jedem Online-Kauf können Risiken für Gesundheit, Sicherheit und Verbraucherrechte lauern – und diese Risiken stammen oft von Nicht-EU-Betreibern, die die Regeln umgehen. Unsere Unternehmen können nicht erwarten, unter solch unfairen Bedingungen zu konkurrieren.“

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01 Das Ende der Steuerbefreiungs-Ära

Die Unzufriedenheit der EU mit der Steuerbefreiung für Kleinsendungen besteht schon lange. Bereits 2023 schlug die Europäische Kommission die ehrgeizigste Reform seit Gründung der Zollunion vor und empfahl, die Steuerbefreiung für Niedrigwertimporte abzuschaffen.

Diese Regelung war ursprünglich der Kernvorteil von Plattformen wie Temu und Shein, um mit niedrigen Preisen Europa zu erobern. Nach Inkrafttreten der neuen Vorschriften müssen für alle Waren durchschnittlich 10%–20% Zoll gezahlt werden, wodurch die Gewinnspanne bei Niedrigwertwaren erheblich schrumpft.

Angenommen, ein Kleidungsstück kostet 50 Euro, dann erhöht ein neuer Zollsatz von 15% die Stückkosten direkt um 7,5 Euro.

Doch das ist nur der „Appetizer“ – die EU plant, für jedes Paket zusätzlich eine „Umweltbearbeitungsgebühr“ von 1–3 Euro zu erheben. Bei durchschnittlich 1.000 Bestellungen pro Tag summieren sich diese Gebühren im Jahr leicht auf über 360.000 Euro.

Zoll + Bearbeitungsgebühr zusammen lassen die Gesamtkosten vieler Verkäufer direkt um 30%–50% steigen.

Noch problematischer ist, dass für alle Pakete vor der Einfuhr vollständige Unterlagen zu Inhaltsstoffen, Sicherheitszertifikaten usw. hochgeladen werden müssen und der Zoll jedes Paket einzeln streng kontrolliert. Die ursprünglich versprochene „7-Tage-Lieferung“ der Fast Fashion verlängert sich jetzt um mindestens 3–5 Tage – für zeitkritische Verkäufer ist das ein schwerer Schlag.

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02 Globaler Dominoeffekt

Das Vorgehen der EU ist kein Einzelfall – die „Domino-Steine“ der globalen Zollbarrieren fallen. Am 2. Mai dieses Jahres hat die USA offiziell die Steuerbefreiung für chinesische Waren unter 800 US-Dollar abgeschafft und damit das T86-Zollabfertigungsmodell beendet.

Auch das japanische Finanzministerium hat einen neuen Entwurf veröffentlicht, der vorsieht, ab 2026 eine Verbrauchssteuer von 10% auf importierte Waren unter 10.000 Yen (ca. 495 RMB) zu erheben. Als viertgrößter E-Commerce-Markt der Welt wird Japans Politikänderung die Wettbewerbsfähigkeit von günstigen Produkten wie Kleidung und 3C-Zubehör direkt beeinflussen.

Obwohl Großbritannien aus der EU ausgetreten ist, bleibt die Politik im Gleichschritt mit der EU. Der britische Finanzminister hat angekündigt, das Steuersystem für Niedrigwertimporte zu überprüfen und erwägt, die Steuerbefreiung für Pakete unter 135 Pfund abzuschaffen.

Der weltweite Steuertrend ändert sich rasant und markiert das offizielle Ende der „grenzenlosen Wildwestzeit“ des grenzüberschreitenden E-Commerce. Nach neuesten EU-Daten sind 2024 4,6 Milliarden Niedrigpreis-Pakete nach Europa geströmt – doppelt so viele wie 2023 und dreimal so viele wie 2022. Noch alarmierender ist, dass viele dieser Waren bei Stichproben als weit entfernt von europäischen Sicherheits- und Umweltstandards eingestuft wurden.

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03 Überlebenskampf der Branche

Angesichts der politischen Veränderungen haben führende Plattformen bereits mit einer Notumstellung begonnen. Um auf die neuen Vorschriften zu reagieren, hat Temu das europäische Lagerprogramm gestartet, verlangt von Händlern, Waren im Voraus in Lagerhäuser in Polen und Deutschland zu bringen, und führt das „Halbverwaltungsmodell“ ein – die Plattform übernimmt die Logistik, der Verkäufer trägt das Lagerhaltungsrisiko.

Laut internen Daten lag der Anteil der lokalen Temu-Lager in Europa 2024 bei weniger als 15%, wodurch der Preisvorteil unter den neuen Vorschriften weiter geschwächt werden könnte.

Einige Verkäufer haben zuvor versucht, durch Aufteilen von Bestellungen Steuern zu umgehen (z.B. ein 200-Euro-Produkt in zwei 100-Euro-Pakete zu splitten), aber nach Inkrafttreten der neuen Vorschriften wird der Zoll das „Ameisenumzugs“-Verhalten streng kontrollieren. Zuwiderhandelnde riskieren hohe Geldstrafen oder sogar Kontosperrungen.

04 Auswege aus der Krise

Kurz gesagt: Die Abschaffung der Steuerbefreiung für Kleinsendungen in der EU und anderen Ländern ist beschlossene Sache und stellt für Verkäufer, die auf Niedrigpreispolitik setzen, eine große Herausforderung dar. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sollten Verkäufer Folgendes tun:

Übersee-Lager in Betracht ziehen: Waren im Voraus in europäischen Lagern lagern, um Steuern zu sparen und schneller liefern zu können.

Bessere Produkte verkaufen: Weniger reine Billigware, mehr hochwertige, charakteristische und margenstarke Produkte anbieten.

Markenaufbau betreiben: Die Kunden sollen sich an Ihre Marke erinnern und bereit sein, mehr für Ihre Produkte zu zahlen – so sind steigende Kosten weniger bedrohlich.

Auch wenn die Kosten steigen, ist dies eigentlich eine Chance für die gesamte Branche, sich in Richtung mehr Regulierung und Qualität zu entwickeln. Für Verkäufer ist es an der Zeit, ihre Strategie anzupassen und ihr Geschäft solider aufzustellen.