Vor dem Hintergrund des zunehmend intensiven globalen E-Commerce-Wettbewerbs hat die grenzüberschreitende E-Commerce-Plattform Temu von Pinduoduo in letzter Zeit zahlreiche Maßnahmen ergriffen. Durch die Einrichtung eines lokalen Lagers in Südafrika, die Vertiefung des Lebensmittelangebots in Europa und die Ausweitung des steuerfreien Versands in Kanada stärkt Temu kontinuierlich seine Globalisierungsstrategie.
Diese Maßnahmen verbessern nicht nur das Nutzererlebnis, sondern bringen auch neue Chancen und Herausforderungen für die Händler auf der Plattform.
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Lokales Lager in Südafrika: Doppelte Aufwertung von Logistikeffizienz und Marktwettbewerb
Mit der erstmaligen Einrichtung eines lokalen Lagers in Südafrika markiert Temu einen neuen Meilenstein in seiner Afrika-Strategie.
Bisher mussten südafrikanische Verbraucher beim Einkauf über Temu mehrere Wochen auf internationale Lieferungen warten. Nun können Produkte mit dem lokalen Lagerkennzeichen innerhalb von zwei Tagen geliefert werden, einige sogar am nächsten Tag. Diese Veränderung verbessert das Nutzererlebnis erheblich, insbesondere bei sperrigen Produkten wie Möbeln und Haushaltswaren, da die gesteigerte Logistikeffizienz die Nachfrage direkt ankurbelt.
Für Händler bedeutet die Einrichtung eines lokalen Lagers in Südafrika höhere operative Anforderungen und eine präzisere Produktauswahl. Anbieter von Großwaren müssen Lagerkosten und lokale Marktnachfrage abwägen, während kleine und mittlere Händler von der Traffic-Dividende der Plattform profitieren und vorrangig Produkte mit hoher Wiederkaufsrate platzieren können. Zudem verschärft sich der Wettbewerb zwischen Temu, dem lokalen E-Commerce-Riesen Takealot und dem neu eingestiegenen Amazon. Händler sollten daher auf mögliche Traffic-Verschiebungen achten und ihre Preis- und Marketingstrategien rechtzeitig anpassen.
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Expansion im europäischen Lebensmittelbereich: Durchbruch durch lokalisierte Lieferketten
Temu baut seine Präsenz in Europa weiter aus, indem es das Lebensmittelangebot erweitert und ein „Local-to-Local“-Recruiting-Programm in Nordeuropa startet, was die Bedeutung lokaler Lieferketten unterstreicht. Durch die Einbindung von Lebensmittelanbietern aus Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern (wie Wurstbaron Fleischwaren und Mr Tom Nussriegel) versucht Temu, mit dem Modell „von Europa für Europa“ EU-Zollrisiken zu umgehen und gleichzeitig die Präferenz der Verbraucher für lokale Produkte zu erfüllen.
Für europäische Händler bietet dieses Programm eine kostengünstige Möglichkeit, den gesamteuropäischen Markt zu erschließen, insbesondere für kleine und mittlere Lebensmittelhersteller. Die Herausforderung liegt jedoch in den hohen Anforderungen an Logistik und Haltbarkeit im Lebensmittelbereich. Händler müssen die Lagerumschlagrate streng kontrollieren und sich an das Preissystem von Temu anpassen. Für chinesische grenzüberschreitende Händler sind die Markteintrittsbarrieren im europäischen Lebensmittelmarkt relativ hoch, sodass sie sich auf Kategorien wie Haushaltswaren und Elektronik konzentrieren oder durch Kooperationen mit lokalen Anbietern profitieren sollten.
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Neue Steuerpolitik in Kanada: Neues Gleichgewicht zwischen Konsumerlebnis und Händlerkosten
Temu hat in Kanada eine Politik zur vollständigen Subventionierung der Verbrauchssteuer eingeführt, die nun nicht nur für grenzüberschreitende Waren, sondern auch für lokale Lagerlieferungen und das „US-to-Canada“-Modell gilt. Dies senkt direkt den Endpreis für Verbraucher, was besonders für Nutzer in Hochsteuerprovinzen (wie Ontario mit 15% HST) attraktiv ist.
Für Händler ist die steuerfreie Abdeckung im „US-to-Canada“-Modell (Warenlagerung in den USA, Direktversand nach Kanada) ein großer Vorteil. Dieses Modell senkt die Lagerkosten und deckt gleichzeitig die Märkte in den USA und Kanada ab, was besonders für kleine und mittlere Händler geeignet ist. Allerdings könnte die Steuerpolitik dazu führen, dass die Plattform die Kontrolle über die Produktpreise verstärkt, was die Gewinnspanne der Händler beeinträchtigen könnte. Daher sollten Händler ihre Lieferketten optimieren oder auf margenstärkere Produkte umsteigen, um die Kosten auszugleichen.
Aus Wettbewerbssicht differenziert sich Temu durch Steuerzuschüsse weiter von anderen Plattformen. In Kanada tragen bei Amazon und anderen Plattformen in der Regel die Verbraucher die Steuern, während Temus vollständige Subventionierung besonders preissensible Nutzer anzieht und kurzfristig das GMV-Wachstum ankurbelt. Die Nachhaltigkeit langfristiger Subventionen ist jedoch fraglich; zukünftig könnte die Plattform durch höhere Provisionen oder Werbekosten die Ausgaben ausgleichen.
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Fazit: Der Weg der Synergie zwischen Globalisierung und Lokalisierung
Alle drei Maßnahmen von Temu zielen darauf ab, das Nutzererlebnis zu verbessern und die lokale Betriebsführung zu stärken. Von Logistik über Lieferketten bis hin zu steuerlichen Aspekten baut Temu schrittweise Wettbewerbsvorteile auf dem globalen Markt auf. Für Händler bedeuten diese Entwicklungen sowohl Chancen als auch Herausforderungen: Einerseits können schnellere Logistik und geringere Steuerlasten den Umsatz steigern; andererseits erfordert der Lokalisierungstrend eine flexible Anpassung der Lieferkette und der Produktauswahl.
Wenn es Temu gelingt, das Modell aus lokalen Lagern und lokalem Recruiting weltweit zu replizieren und gleichzeitig Subventionen und Profitabilität auszubalancieren, könnte das Unternehmen weiterhin die Führung im grenzüberschreitenden E-Commerce übernehmen. Für die Branche insgesamt könnte dieses „intensive Investment und schnelle Umsetzung“-Expansionsmodell die Wettbewerbsregeln des globalen E-Commerce neu definieren.
