Im Finale der Australian Open 2024 drehte Novak Djokovic eine Flasche Wasser auf und goss es in seinen mitgebrachten Metallbecher.
Die Kamera zoomte heran, ein kleiner blauer Würfel am Boden des Bechers löste sich schnell auf, und das gesamte Stadion konnte das Logo an der Becherwand sehen – waterdrop.
Quelle: waterdrop offizielle Social-Media-Kanäle
Diese Szene löste in den sozialen Medien hitzige Diskussionen aus: „Was trinkt der Tennisstar eigentlich?“
Die Antwort ist da! Es handelt sich um einen fingernagelgroßen „Mikro-Drink“, der sich in Wasser auflöst und in 12 Geschmacksrichtungen wie Zitrone und Blaubeere erhältlich ist. Das Entscheidende: Er ist zuckerfrei und kalorienfrei.
Genau dieser kleine Würfel hat der erst 8 Jahre alten österreichischen Marke waterdrop zu einem Jahresumsatz von über 100 Millionen und einer Präsenz in 40 Ländern verholfen. Sogar Walmart räumt ihm einen Premium-Platz im Regal ein.
Quelle: waterdrop
Die Inspiration in 30.000 Fuß Höhe
Die Geschichte von waterdrop beginnt im Frühjahr 2016.
Auf einem Flug nach Singapur starrte der Österreicher Martin auf die Plastikgetränkeflasche in seiner Hand und begann nachzudenken:
Warum müssen gesunde Getränke in schweren Verpackungen stecken?
Wenn man Frucht- und Pflanzenextrakte zu einem kleinen „Würfelzucker“ konzentrieren könnte, der im Wasser sofort zu einem Getränk wird, wäre das nicht umweltfreundlich und praktisch?
Quelle: waterdrop
Diese Inspiration ließ ihn sofort seinen Bruder Henry und seinen Freund Christoph mit ins Boot holen. Zu dritt drängten sie sich in einem kleinen Büro in Wien und begannen mit unzähligen Experimenten.
Sie versuchten, Blaubeeren zu Pulver zu pressen, stellten Dutzende von Rezepturverhältnissen ein und verloren sogar vorübergehend ihren Geschmackssinn, weil sie zu viele Proben probierten.
Das Gründerteam von waterdrop Quelle: Internet
Bis eines Tages ein fingernagelgroßer Würfel ins Wasser fiel, sich schnell auflöste und eine fruchtig duftende, hellviolette Flüssigkeit ergab – der erste „Mikro-Drink“ war geboren.
Quelle: waterdrop
Vom Pop-up-Store zum globalen Giganten
Seit dem Start im kleinen Büro im Jahr 2016 hat die Marke bei jedem Schritt den richtigen Zeitpunkt erwischt.
Im Pop-up-Store 2017 fragten neugierige Kunden das Personal: „Wird das wirklich nur mit Wasser gemacht?“
2018 traten sie in einer deutschen Startup-Show auf, und die Jury staunte über den „Getränkewürfel“, der in eine Hemdtasche passt, und meinte: „Das könnte die Supermarktregale verändern.“
Der eigentliche Wendepunkt kam 2021. Als amerikanische Verbraucher diese bunten Würfel in den Regalen von Walmart entdeckten, herrschte nach der Pandemie ein Trend zur Heimarbeit, und immer mehr Menschen hatten es satt, große Getränkeflaschen zu horten.
Im selben Jahr gewannen sie ihren 1-millionsten Kunden, was bedeutet, dass täglich 274 neue Nutzer die Magie ausprobierten, „Wasser in ein Getränk zu verwandeln“.
Quelle: Internet
Als Novak Djokovic 2024 bei den Australian Open seinen Becher mit dem Waterdrop-Logo hob, war aus dem einstigen „kleinen Würfel“ ein Geschäft in 45 Ländern geworden.
Laut dem neuesten Finanzbericht verkauften sie allein 2022 Produkte im Wert von 96 Millionen US-Dollar, was bedeutet, dass jede Minute 18 „Getränkewürfel“ in Wassergläsern auf der ganzen Welt aufgelöst werden.
Quelle: waterdrop
Waterdrops Social-Media-Erfolgsrezept
In der Anfangsphase der Marke Waterdrop setzte man hauptsächlich auf die Online-Website und wenige stationäre Geschäfte, um Produkte zu verkaufen – ein DTC-Ansatz.
Um mehr Zielkunden anzuziehen, investierte man viel Geld in Kooperationen mit Influencern in sozialen Medien für Influencer-Marketing, was recht effektiv war.
Zum Beispiel war Waterdrop auf YouTube sehr erfolgreich.
Ein am 12. Mai 2023 veröffentlichter Kurzfilm erreichte direkt 1,56 Millionen Aufrufe. Der Clip setzte auf die Botschaften „Umweltschutz“ und „zuckerfrei“ und war kreativ packend, indem er jeden Menschen als jemanden darstellte, der „mit einer Getränkeflasche lebt“, was zum Nachdenken anregte.
Quelle: YouTube
Neben den offiziellen Inhalten legte Waterdrop großen Wert auf Mundpropaganda und arbeitete mit vielen KOCs und KOLs für Testvideos zusammen.
Zum Beispiel kooperierten sie mit dem bekannten tschechischen Blogger @Rozum v troubě für ein Testvideo. Dieses 7 Minuten und 24 Sekunden lange Video dokumentierte von der Auspackung bis zum tatsächlichen Trinken die gesamte Nutzungserfahrung des Waterdrop-Produkts.
Der Titel des Videos war auch geschickt gewählt: „Waterdrop: Teures Mineralwasser oder Wundergetränk?“ Dieser spannungsgeladene Titel zog erfolgreich viele Zuschauer an, und das Video erreichte schließlich über 190.000 Aufrufe, was eine recht gute Verbreitungswirkung erzielte.
Quelle: YouTube
Auf TikTok zog der offizielle Account @waterdrop ebenfalls 734.100 Follower an, und die Gesamtzahl der Likes für die Videos erreichte 5,7 Millionen.

Quelle: TikTok
Ein TikTok-Video über einen Pop-up-Store war besonders erfolgreich. Es hat derzeit 53,3 Millionen Aufrufe und fast 860.000 Likes, was ziemlich gute Zahlen sind.
Quelle: TikTok
Waterdrop reagiert regelmäßig auf Nachrichten und Kommentare der Nutzer und interagiert mit ihnen. Dies trägt dazu bei, die Markenaffinität zu steigern, die Nutzerbindung zu erhöhen und einen positiven Kreislauf der Interaktion zu schaffen.
Quelle: TikTok
Man sieht, dass der TikTok-Account von Waterdrop nun in einer stabilen Phase ist. Die Inhalte zeigen nicht mehr nur das Produkt, sondern sind reichhaltiger und vielschichtiger. Diese fein abgestimmte Betriebsweise hält die Nutzer eher bei der Stange und kann die Fan-Bindung erhöhen.
Laut Gründer Martin Murray investiert Waterdrop jährlich einen sechsstelligen Betrag in Influencer-Marketing. Gemessen an den Ergebnissen hat sich die Investition der Marke gelohnt und tatsächlich gute Marketingerfolge erzielt.
Quelle: waterdrop
Warum wird selbst das Trinken von Wasser zum großen Geschäft?
Ein Blick auf diese Zahlen macht es vielleicht deutlich: In den USA trinkt jeder Mensch durchschnittlich 657 Dosen Getränke pro Jahr, wobei die Wachstumsrate der zuckerfreien Kategorien dreimal so hoch ist wie die traditioneller Getränke. Bis 2025 wird der globale Getränkemarkt voraussichtlich 276,44 Milliarden US-Dollar erreichen; bis 2029 wird die Nutzerzahl auf 1,5 Milliarden geschätzt.
Quelle: statista
Dahinter ist die „Gesundheitsangst“ ein entscheidender Treiber.
Daten relevanter E-Commerce-Plattformen zeigen, dass die Suchanfragen für das Stichwort „zuckerfrei“ in drei Jahren um 740 % gestiegen sind, während der Absatz traditioneller kohlensäurehaltiger Getränke den ersten Rückgang seit 20 Jahren verzeichnete.
Quelle: Internet
Abschließende Gedanken
Die Expansion von Waterdrop in Überseemärkte ist im Kern eine tiefgehende Entschlüsselung globaler Konsumgewohnheiten.
Von Europa über Nordamerika bis hin zu den asiatischen Märkten beruht sein Erfolg nicht auf einer einzelnen Produktinnovation, sondern auf einem präzisen Verständnis der Konsumpsychologie in verschiedenen Märkten.
Dieser Weg der Internationalisierung ist besonders für chinesische Unternehmen von Referenzwert. Der Überseemarkt ist kein einheitliches Ganzes, sondern ein Puzzle aus unzähligen Nischenmärkten. Jeder Markt hat seine eigene Kultur, Konsumgewohnheiten und regulatorischen Anforderungen, und eine einfache Kopie des im Inland erfolgreichen Modells führt oft nicht zum Ziel.
Für chinesische Unternehmen liegt die Herausforderung der Internationalisierung nicht nur im Produkt selbst, sondern auch darin, die Regeln und Bedürfnisse der Überseemärkte zu verstehen und sich anzupassen.
Globalisierung ist kein einmaliger Prozess, sondern ein Weg, der Geduld, Fokus und kontinuierliches Lernen erfordert.



