JD Logistics hat kürzlich ein Geschäft abgeschlossen, und zwar mit der Muttergesellschaft von Uniqlo – der japanischen Fast Retailing Group.
Viele Leute reagieren auf diese Nachricht vermutlich zuerst mit: „JD liefert jetzt für Uniqlo.“ Tatsächlich geht es bei dieser Kooperation aber um viel mehr als nur Lieferung.

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Wer ist Fast Retailing?
Zuerst zur Größe der Fast Retailing Group. Das Unternehmen ging 2014 am Main Board der Hongkonger Börse an die Börse und hat inzwischen eine Marktkapitalisierung von über 1,2 Billionen Hongkong-Dollar. Zu seinen Marken gehören unter anderem Uniqlo, GU und Theory, mit Filialen in vielen Märkten in Asien, Nordamerika und Europa.
Mit dem Wachstum des Geschäfts kommen auch die Probleme. Der Einzelhandel mit Bekleidung hat eine Besonderheit: Es gibt besonders viele SKUs. Ein gewöhnliches T-Shirt wird nach Farben und Größen aufgeschlüsselt, und schon wird der Bestand zu einer langen Liste von Artikelnummern. Wechselt die Saison oder ändert sich der Modetrend, müssen nicht verkaufte Ware reduziert werden. Zudem muss ständig zwischen Filialen und Lagern umgelagert werden.
Was noch komplizierter ist: Die Vorlieben der Verbraucher bei Größen und Stilen sind von Markt zu Markt unterschiedlich. Wird Ware am falschen Ort gelagert, fehlen in stark frequentierten Filialen Größen und Ware ist ausverkauft, während in weniger gefragten Lagern Bestände liegen bleiben. Kommt die Sommerkleidung ein paar Wochen zu spät, ist das Geschäft der ganzen Saison umsonst.
Fast Retailing eröffnet Geschäfte auf der ganzen Welt. Wenn das Unternehmen in jedem Land selbst Lagerhäuser und Fahrzeugflotten aufbauen müsste, wären die Kosten hoch und das Tempo langsam. Es braucht ein vorhandenes Netzwerk, mit dem sich die globalen Bestände in Echtzeit einsehen und Waren schnell umlagern lassen.

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Warum kann JD das stemmen?
JD Logistics verfügt über eine solide globale Lagerinfrastruktur. Bis Ende 2025 hat sich das Geschäftsgebiet auf 25 Länder und Regionen ausgeweitet, mit fast 200 Lagerhäusern und einer Gesamtlagerfläche von nahezu 2 Millionen Quadratmetern.
In Europa betreibt JD Logistics bereits mehr als 60 Lagerhäuser und Paketstationen. Im Februar dieses Jahres wurde die eigene Expressmarke JoyExpress von JD in mehreren europäischen Ländern wie Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Frankreich vollständig eingeführt und sorgte in den wichtigsten Städten vor Ort für Lieferung am selben Tag und am nächsten Tag.
Im März dieses Jahres startete JD in Europa seine eigene Online-Einzelhandelsplattform Joybuy, die zunächst in sechs Ländern verfügbar war: Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Belgien und Luxemburg. Der „211“-Zeitfensterservice von Joybuy deckt mehr als 30 Großstädte und über 40 Millionen Menschen ab – Bestellungen vor 11 Uhr morgens werden noch am selben Tag vor 23 Uhr geliefert.
Was dieses Erlebnis ermöglicht, ist eine solide Investition in Sachwerte. Die Ware wird im Voraus in lokalen Lagern bereitgehalten; nach der Bestellung wird sie aus dem nächstgelegenen Lager versendet. Nur so sind Zustellung am selben Tag und am nächsten Tag möglich.
Neben Lagerung und Lieferung kommt auch die technologische Kompetenz von JD Logistics zum Einsatz. In Großbritannien etwa wurde im vierten Quartal 2025 das erste überseeische „Smart-Wolf-Lager“ von JD Logistics in Betrieb genommen, in dem fast 200 Smart-Wolf-Roboter eingesetzt werden. Die Effizienz bei Kommissionierung und Auslagerung ist im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren um etwa das Vierfache gestiegen. Diese Automatisierungs- und Digitalisierungsfähigkeiten entsprechen genau den Anforderungen von Fast Retailing an Bestandsverwaltung und intelligente Disposition.

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Zehn Jahre Verbundenheit
Die Verbindung zwischen JD und Uniqlo besteht eigentlich schon seit mehr als zehn Jahren. Im April 2015 kam Uniqlo mit großer Ankündigung zu JD; Liu Qiangdong stellte sich persönlich hinter das Projekt, und JD richtete für Uniqlo ein eigenes Lager mit über 10.000 Quadratmetern ein. Doch die Zusammenarbeit endete nach nur etwas mehr als drei Monaten.
Zehn Jahre später, im September 2025, kehrte Uniqlo über ein Mini-Programm zu JD zurück. Inzwischen hat sich die Zusammenarbeit vom Online-Verkauf im chinesischen Markt zum gemeinsamen Aufbau einer globalen Lieferkette weiterentwickelt.
Von der Bühne des Ladengeschäfts bis zur Lagerverwaltung hinter den Kulissen: Vertrauen wird Auftrag für Auftrag erarbeitet.
JD Logistics hat mit dieser Kooperation mit der Fast Retailing Group oberflächlich betrachtet ein Markengeschäft abgeschlossen, in Wirklichkeit aber ist es ein Fähigkeitstest. JD hat im Ausland Lagerhäuser gebaut und ein Liefernetzwerk aufgebaut. Ob das Unternehmen global agierende Großkunden gut bedienen kann, muss sich anhand realer Aufträge beweisen. Ob der Schritt vom „Verkauf von Waren ins Ausland“ hin zu „globale Marken ihre Geschäfte anvertrauen“ gelingt, überlassen wir der Zeit zur Überprüfung.


