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Wie kann eine unscheinbare Kühlbox einen Milliardenmarkt erschließen?

Laut Grand View Research erreichte der weltweite Markt für Outdoor-Produkte im Jahr 2024 eine Größe von 52,8 Milliarden US-Dollar und wird voraussichtlich mit einer jährlichen Wachstumsrate von 6,1% weiter wachsen, sodass er bis 2030 75,3 Milliarden US-Dollar überschreiten wird.

In diesem von Branchengrößen wie The North Face, Arc'teryx und Patagonia dominierten Markt hat eine Marke aus Texas,YETI, einen eigenen Weg eingeschlagen und mit dem auf den ersten Blick unscheinbaren Nischenprodukt Kühlbox im Jahr 2024 einen Umsatz von 1,83 Milliarden US-Dollar erzielt.

Bildquelle: YETI

Und der Anfang war lediglich die Garage der Brüder Roy und Ryan Seiders in Texas im Jahr 2006.

Die beiden begeisterten Angler und Jäger konnten die ständigen Defekte billiger Kühlboxen bei hohen Temperaturen (die sogar dazu führten, dass Fänge im Wert von mehreren Hundert Dollar verloren gingen) nicht mehr ertragen und beschlossen, ein „unzerstörbares“ Produkt zu entwickeln.

Ihre erste Kühlbox „Tundra“ wurde im Rotationsgussverfahren aus einem Stück gefertigt, war so robust, dass sie das Überrollen durch einen LKW aushielt und erhielt sogar die Bärenschutz-Zertifizierung des Grizzly-Komitees.

Obwohl dieses Produkt mit 325 US-Dollar (vergleichbare Produkte kosten nur 60 US-Dollar) sehr hoch bepreist war, verbreitete sich sein Ruf in der Outdoor-Community rasend schnell.

Tundra Kühlbox Bildquelle: Amazon

Bis 2011, nur fünf Jahre nach der Gründung, stieg der Umsatz der Marke YETI auf 29 Millionen US-Dollar, 2022 überschritt er 1,63 Milliarden US-Dollar und der Börsenwert stabilisierte sich bei 3,4 Milliarden US-Dollar.

Heute hat sich die Marke YETI auf viele Bereiche ausgeweitet: Die Produktpalette reicht von professionellen Werkzeugen bis hin zu Alltagsprodukten und deckt Camping, Pendeln, Heckklappenpartys und sogar Haustierbedarf ab. Besonders der Rambler-Edelstahlbecher der Marke trug 2024 fast 60% zum Umsatz bei.

Rambler Edelstahlbecher Bildquelle: Amazon

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Das Geheimnis des Durchbruchs: Vom Werkzeug des Fischers zur sozialen Währung

YETI konnte sich in der Anfangsphase mit der Strategie „Hardcore-Produkt + professionelle Zielgruppe“ behaupten, doch der hohe Preis und die professionelle Ausrichtung der Kühlboxen zogen von Natur aus nur eine Nische an.

Was YETI wirklich zum Objekt der Begierde für die breite Masse machte, war ein eng verzahntes System der „Identitätssymbolik“: Das Werkzeug wurde zur sozialen Währung, die Nutzer zu Markenbotschaftern.

1. Professionelle Referenzen binden, Hardcore-Community aktivieren

Das Gründerteam fuhr mit dem Truck gezielt zu Angelgeschäften in Texas, mied große Ketten wie Walmart und setzte stattdessen auf die Durchdringung von Tausenden Fachhändlern für Outdoor-Produkte. Heute stammen rund 40% des YETI-Umsatzes aus diesen Kanälen, die auch die hohe Preisstabilität sichern.

Bildquelle: YETI

2. Das Produkt zum „Totem des Outdoor-Lebens“ machen

Jede YETI-Kühlbox wird mit einer Mütze und einem T-Shirt geliefert. Nutzer fotografieren sich beim Angeln oder Campen damit, und das Markenlogo wird zum Statussymbol der Outdoor-Szene. Die Marke startete die Kampagne #BuiltForTheWild und ermutigte Nutzer, ihre Abenteuer im Freien zu teilen. Bis 2025 wurden unter diesem Hashtag auf allen großen sozialen Plattformen über 320.000 Beiträge gesammelt.

#BuiltForTheWild-Hashtag auf einigen Plattformen

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Multi-Plattform-Marketing: Nicht dem Traffic hinterherjagen, sondern „Vertrauen“ schaffen

Die Social-Media-Strategie von YETI dreht sich immer um einen Kern: Das Vertrauen der Nutzer steht über allem. Genau diese Strategie ließ die Marke aus dem harten Wettbewerb um Reichweite herausstechen.

1. TikTok

Auf TikTok hat der offizielle YETI-Account @yeti mit fast 700.000 Followern und über 120 Millionen Videoaufrufen eine starke Präsenz rund um Outdoor-Szenarien aufgebaut.

Die Marke veröffentlicht selten Inhalte, die das Produkt direkt zeigen, sondern setzt auf intensive Outdoor-Aktivitäten wie Fliegenfischen im Wildwasser, Extremskifahren oder Lagerfeuerpartys.

Diese Inhalte zeigen die Produkte im harten Einsatz und lassen die Zuschauer die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit der Produkte ganz natürlich wahrnehmen, was das professionelle Image der Marke weiter stärkt.

Bildquelle: TikTok

Auch bei der Auswahl der Influencer ist YETI sehr selektiv: Statt auf Mainstream-Entertainer setzt die Marke auf Experten aus Nischenbereichen wie Sportler, Profi-Angler oder Outdoor-Abenteurer.

Diese authentischen Erfahrungsberichte von Profis gewinnen das Vertrauen der Nutzer deutlich mehr als klassische Werbung.

Ein gutes Beispiel ist die TikTok-Influencerin @kaitvanhoff, eine Outdoor-Expertin mit 15.100 Followern. In ihrem Kooperationsvideo mit YETI zeigt sie in einem Camping-Vlog die Kühlbox von der Kapazität bis zur Praxistauglichkeit. Das Video erreichte 716.900 Aufrufe und erhielt zahlreiche positive Kommentare.

Bildquelle: TikTok

2. Facebook

Auf Facebook, wo die Nutzerbasis noch breiter ist, hat YETI vielfältigere Aufgaben: Die Marke muss sowohl die Produktfunktionen erklären als auch die Anwendung in verschiedenen Alltagssituationen zeigen.

So zeigt der offizielle Account @YETI (1,31 Millionen Follower) in Kurzvideos die Nutzung des Rambler-Bechers in verschiedenen Situationen und erklärt in Text und Bild die Rotationsgusstechnik und Isolierwerte der Produkte.

Diese Kombination aus „emotionalen Alltagsszenen + rationaler Technik-Erklärung“ spricht nicht nur Lifestyle-orientierte Nutzer an, sondern erfüllt auch die Bedürfnisse von Profis, die sich für die Produktleistung interessieren – eine Win-win-Situation.

Bildquelle: Facebook

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Internationalisierung bedeutet nicht „nur woanders kämpfen“, sondern Werte neu schaffen

Die Marketingphilosophie von YETI zeigt: In einer Zeit des Überangebots an Waren mangelt es den Konsumenten nicht an Auswahl, sondern an vertrauenswürdigen Versprechen.

Für chinesische Unternehmen, die international expandieren wollen, bedeutet Internationalisierung nicht die bloße Verlagerung der Lieferkette, sondern eine Neubewertung der eigenen Werte.

Statt sich zu fragen, wie man billiger oder lauter sein kann, sollte man überlegen: Für wen löst dein Produkt ein Problem, das andere nicht lösen können? Wenn du das wirklich schaffst, kommen Vertrauen und Geschäft von ganz allein.