In den letzten Jahren ist das Bewusstsein der Menschen für Hörgesundheit stetig gestiegen, und Ohrstöpsel – einst ein Nischenprodukt – rücken nun schnell in den Fokus der breiten Öffentlichkeit.

Von der leidenschaftlichen Feier auf Musikfestivals bis hin zur konzentrierten Arbeit im Büro, von der ermüdenden Langstreckenreise im Flugzeug bis zum ruhigen Schlaf im Schlafzimmer – die unterschiedlichen Anforderungen an Geräuschreduzierung in verschiedenen Szenarien haben einen florierenden Nischenmarkt hervorgebracht.

Laut den neuesten Daten des Marktforschungsinstituts BusinessResearchInsights wird die globale Marktgröße für Ohrstöpsel im Jahr 2024 etwa 1,26 Milliarden US-Dollar betragen und voraussichtlich bis 2033 auf 2,55 Milliarden US-Dollar wachsen, mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 8,2 %.

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In diesem schnell wachsenden Markt hat die belgische Ohrstöpselmarke Loop dank innovativem Produktdesign und präziser Marktpositionierung erfolgreich einen Sprung von 0 auf 120 Millionen Euro Jahresumsatz geschafft.

Wie hat es diese aufstrebende Marke geschafft, in kurzer Zeit den globalen Markt zu erschließen? Welche ihrer Betriebsstrategien sind nachahmenswert?

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Die Ohrstöpsel-Revolution der Musikliebhaber

Die Entstehung von Loop geht auf die persönlichen Erfahrungen der beiden Gründer Maarten und Dimitri zurück.

Sie besuchten häufig verschiedene Konzerte und waren über längere Zeiträume hinweg lauten Umgebungen ausgesetzt, was allmählich zu Tinnitus führte. Doch die damals auf dem Markt erhältlichen traditionellen Ohrstöpsel waren nicht nur optisch wenig ansprechend, sondern auch in Tragekomfort und Wirkung unbefriedigend.

Basierend auf diesen Erfahrungen hatten sie eine neue Idee: Ohrstöpsel zu entwickeln, die das Ohr schützen und gleichzeitig ein immersives Musikerlebnis ermöglichen. Um dieses Konzept zu verwirklichen, forschten die beiden Gründer zwei Jahre lang intensiv.

Schließlich wurde ihre Mühe vom bekannten Brüsseler Startup-Accelerator StartIt@KBC anerkannt und unterstützt, woraufhin sie ihre bisherigen Jobs kündigten und sich voll und ganz dem Loop-Projekt widmeten.

Loop-Gründer Maarten, Dimitri Bildquelle: Google

2018 brachte Loop sein erstes Produkt auf den Markt, das zunächst über die US-amerikanische Apothekenkette CVS und den europäischen Elektronikhändler Saturn verkauft wurde.

Doch das Glück währte nicht lange: Nach dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie wurden Lebensstil und Freizeitaktivitäten der Menschen stark eingeschränkt, was zu einem massiven Einbruch der Loop-Verkäufe führte – der Monatsumsatz fiel von ursprünglich 100.000 US-Dollar auf unter 20.000 US-Dollar.

Angesichts dieser Krise passten die beiden Gründer ihre Strategie schnell an.

Sie stellten fest, dass nach dem Stillstand von Clubs und Konzerten die traditionellen Vertriebskanäle nicht mehr funktionierten, und stellten daher entschlossen auf das DTC-Modell (Direct-to-Consumer) um. Gleichzeitig erkannten sie, dass eine einseitige Zielgruppe Risiken birgt und sie eine breitere Nutzerbasis erschließen mussten.

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So wandelte Loop die Positionierung der Ohrstöpsel von einem Medizinprodukt zu einem Alltagsprodukt um, das nicht mehr nur für Konzerte oder Clubs gedacht ist, sondern sich an lärmempfindliche Menschen, Berufstätige, die sich in lauter Umgebung konzentrieren müssen, sowie an Menschen richtet, die eine bessere Schlafqualität anstreben.

Gerade diese Strategieanpassung ermöglichte es Loop, während der Pandemie ein Umsatzwachstum entgegen dem Trend zu erzielen. Bis 2023 überstieg der Jahresumsatz 120 Millionen Euro, der jährliche Absatz lag bei über 5 Millionen Paar, und es gab mehr als 50.000 positive Nutzerbewertungen.

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Online-Multiplattform-Strategie als Wachstumsmotor

Im hart umkämpften Markt reicht ein Produktvorteil allein nicht aus – das weiß auch Loop sehr genau.

Deshalb haben sie systematisch auf führenden sozialen Plattformen wie TikTok und YouTube eine Präsenz aufgebaut und für jede Plattform, basierend auf den Nutzermerkmalen und Content-Präferenzen, differenzierte Betriebsstrategien entwickelt.

TikTok

Auf TikTok hat der offizielle Loop-Account @loopearplugs bereits 229.800 Follower und insgesamt 4,4 Millionen Likes für seine Videos gesammelt.

Die TikTok-Strategie der Marke ist besonders: Sie setzt nicht auf klassische "Werbebombardements", sondern auf einen Ansatz aus "Education+Empfehlung", sodass Nutzer beim Scrollen den Produktnutzen ganz natürlich erfassen.

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Obwohl Loop als Premium-Produkt positioniert ist, ist der Account-Inhalt sehr zugänglich: Neben klassischen Produktvorstellungen und Neuheiten gibt es auch trendige Meme-Adaptionen und sogar humorvolle Sketche. Diese kontrastreiche Content-Strategie macht das Markenimage vielschichtiger.

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Auch bei der Auswahl von Influencer-Kooperationen ist Loop sehr gezielt vorgegangen.

Beispielhaft ist die Zusammenarbeit mit der Viertklassenlehrerin @katielynnteaches, die 221.800 Follower hat.

Sie filmte ihre echte Arbeitssituation im lauten Klassenzimmer: Sobald sie die Loop-Ohrstöpsel trägt, kann sie sich sofort konzentrieren.

In ihrem Text schrieb sie: "Diese Ohrstöpsel sind besonders in den Pausen hilfreich. Früher wurde ich immer vom Lärm gestört, jetzt ist das Problem gelöst."

Dieses authentische Video fand großen Anklang bei den Nutzern: Bislang wurde es über 3,4 Millionen Mal angesehen und erhielt 213.200 Likes.

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Auch die Kommentarspalte wurde zum großen Empfehlungsforum: Ein Nutzer schrieb: "Loop-Ohrstöpsel haben wirklich mein Leben verändert, ich benutze sie jeden Tag."

Ein Elternteil bemerkte: "Wenn mein Kind einen Wutanfall hat, liebe ich meine Loop-Ohrstöpsel. Ohne sie würde ich selbst ausrasten."

Solche Interaktionszahlen und Nutzerfeedbacks sind im TikTok-Marketing für ähnliche Produkte wirklich bemerkenswert.

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YouTube

Während Loop TikTok intensiv bearbeitet, wird auch YouTube als wichtige Marketingplattform nicht vernachlässigt.

Im Vergleich zu den schnellen, kurzen Inhalten auf TikTok eignet sich YouTube besser für tiefgehende Inhalte – ideal für die höherpreisigen Loop-Ohrstöpsel.

Loop kooperierte mit der renommiertesten US-Website für Hörgeräte-Reviews, HearingTracker. Obwohl deren YouTube-Kanal nur 70.800 Abonnenten hat, ist der Einfluss im Fachbereich beachtlich.

Moderator Steve testete die Loop Experience Plus Ohrstöpsel mit professioneller Ausrüstung umfassend – von der Geräuschreduzierung bis zur Klangqualität – und kam zu einem "sehr zufriedenstellenden" Ergebnis.

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Diese Kooperation setzte auf eine doppelte Empfehlung: Das Testvideo zeigte detailliert den Ablauf, der vollständige Bericht wurde auf der HearingTracker-Website veröffentlicht, und in der Videobeschreibung gab es einen direkten Kauflink.

Das professionelle Testvideo erreichte schließlich 444.000 Aufrufe, 5.508 Likes und 377 echte Kommentare.

Die Zahlen sprechen für sich, besonders Kommentare wie "Sehr professioneller Test" oder "Ich will es nach dem Video sofort kaufen" zeigen, dass diese Kooperation tatsächlich zu Konversionen geführt hat.

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Eigene Website: Verbesserung von Nutzererlebnis und Konversion

Neben der Präsenz auf Social-Media-Plattformen hat Loop auch eine eigene unabhängige Website aufgebaut.

Auf der Startseite der Loop-Website gibt es ein interaktives Quiz: Mit einem Klick auf "Help me choose" oder "Find my match" kann der Nutzer den Test starten.

Das System empfiehlt dann personalisierte Produkte, je nach Bedarf des Nutzers – ob Konzentration, Musikgenuss, Sportveranstaltungen oder besserer Schlaf.

Diese Funktion verkürzt nicht nur die Kaufentscheidung, sondern verbessert auch die Bequemlichkeit und Zufriedenheit beim Einkauf, wodurch die Konversionsrate neuer Nutzer um 5,9 % gesteigert wurde.

Bildquelle: Loop-Website

Außerdem gibt es eine umfassende Vergleichsseite, auf der die Eigenschaften und Vorteile verschiedener Szenarien und Produktmodelle detailliert aufgelistet sind, sodass Nutzer direkt vergleichen und das für sie am besten geeignete Produkt auswählen können.

Derzeit erreicht die Loop-Website monatlich bis zu 4 Millionen Besuche und rangiert in der Branche unter den Top 10 – ein klarer Beweis für die Wirksamkeit der Betriebsstrategie und ein Vorbild für andere Marken.

Bildquelle: Loop-Website

Chinesische Marken im Ausland: Wo liegt die nächste Chance?

Das Beispiel von Loop zeigt, dass der Überseemarkt viel aufnahmefähiger ist, als man denkt.

Gerade in den von großen Marken vernachlässigten Nischenbedürfnissen verbergen sich oft wahre Goldgruben.

Der Überseemarkt begrüßt keinen Preiskampf, aber immer Innovation.

Statt im roten Ozean zu kämpfen, sollte man sich lieber fragen: Welche Bedürfnisse sind noch nicht erfüllt? Welche Produkterfahrung kann noch verbessert werden?

Solange man die richtige Nische findet, können chinesische Marken durchaus weltweit erfolgreich sein.