Wer in letzter Zeit die Nachrichten verfolgt hat, hat es vielleicht bemerkt: TikTok startet wieder einmal eine große Aktion in Südostasien!
Dieses Mal investieren sie direkt über fünf Jahre300 Milliarden Thailändische Baht (etwa 8,8 Milliarden US-Dollar) in bar, um Thailand beim Aufbau der digitalen Infrastruktur, der Ausbildung von Fachkräften und der Förderung lokaler Produkte und Kultur zu helfen.
Mit diesem Aufwand ist es nicht übertrieben zu sagen, dass sie Thailand direkt zur "digitalen Industrie-Zentrale" Südostasiens machen wollen.
Aber warum ist TikTok plötzlich so auf Thailand fixiert? Schauen wir uns zuerst die Daten an.
TikTok kündigt Investition von 8,8 Milliarden US-Dollar in Thailand an. Quelle: Bloomberg
Thailands GMV steigt auf Platz eins in Südostasien, Nutzerzahl schießt auf 50 Millionen hoch
Auch wenn Thailand flächenmäßig nicht groß ist, ist es in TikToks südostasiatischer Landkarte definitiv ein "Schwergewicht".
Aktuelle Daten zeigen, dass der jährliche Bruttowarenwert (GMV) von TikTok Shop in ganz Südostasien bereits21 Milliarden US-Dollar erreicht hat, wobei allein der thailändische Standort5 bis 6 Milliarden US-Dollar beisteuert und damit direkt an der Spitze steht.
GMV-Leistung der TikTok Shop-Standorte 2024. Quelle: TT123
Noch beeindruckender ist, dass die Nutzerzahl von TikTok in Thailand direkt auf50 Millionen gestiegen ist. Bedenkt man, dass Thailand insgesamt nur etwas über 70 Millionen Einwohner hat, ist diese Abdeckung außergewöhnlich.
Man kann sagen, dass die Thailänder TikTok vielleicht noch leidenschaftlicher nutzen als wir Douyin. Junge Leute lieben es, auf der Plattform Kurzvideos anzusehen und Live-Shopping zu verfolgen. Hinzu kommt, dass der thailändische E-Commerce-Markt selbst noch in einer Phase schnellen Wachstums steckt. Mit dieser Investition will TikTok dieses "fette Stück" eindeutig komplett für sich sichern.
TikTok-Nutzer in Thailand übersteigen 50 Millionen. Quelle: Oberlo
Geld ausgeben ist nicht sinnlos – Wofür wird dieses Geld genau ausgegeben?
Manche mögen denken, 8,8 Milliarden US-Dollar klingen nach einer astronomischen Summe, aber TikToks Plan ist diesmal recht konkret. Das Geld fließt in drei Hauptbereiche:Infrastrukturaufbau, Talentförderung und Sicherheit.
Zuerst zur Infrastruktur. Thailands Cloud-Computing-Fähigkeiten gehören nicht zu den besten in Südostasien. TikTok will die Datenverarbeitungskapazitäten vor Ort verbessern, damit die Plattform schneller läuft und Videos ohne Ruckeln laden. Dann die Cybersicherheit: Telefonbetrug ist in Südostasien ein anhaltendes Problem. TikTok will mit der thailändischen Regierung bei Anti-Betrugstechnologien zusammenarbeiten und gleichzeitig gegen Falschnachrichten vorgehen. Das bringt nicht nur guten Ruf, sondern säubert auch die eigene Plattform – ein doppelter Gewinn.
Die Talentförderung ist noch bodenständiger. Thailand hat derzeit einen Mangel an digitalen Fachkräften. TikTok eröffnet direkt Schulungen, um Einheimischen beizubringen, wie man Kurzvideos erstellt, Live-Streaming macht und sogar KI-Tools einsetzt. Diese Aktion erinnert ein wenig an die frühen Jahre in China, als Internetfirmen aufs Land gingen, um älteren Menschen die Nutzung von Smartphones beizubringen, nur dass diesmal die "Generation Z" in Südostasien im Fokus steht.
Quelle: Internet
US-Markt instabil, Südostasien wird zum "Plan B"?
An diesem Punkt fragen sich vielleicht einige: Warum ist TikTok plötzlich so engagiert in Südostasien?
Die Antwort könnte in einem anderen Markt liegen –den USA.
Anfang des Jahres setzte sich TikTok für sein E-Commerce-Team das Ziel, den GMV bis 2025 zu verdoppeln, wobei das Wachstum im US-Markt 200 % erreichen sollte.
Aber die Realität ist ernüchternd: In den USA ändert sich die Politik ständig, und es wird immer wieder mit einem Verbot gedroht, was TikTok verunsichert. In dieser Situation dient Südostasien als Alternative, um Risiken zu streuen und gleichzeitig einen schnell wachsenden Markt frühzeitig zu besetzen – ein doppelter Vorteil.
Quelle: Forbes
Hinzu kommt, dass die Grundlage in Südostasien tatsächlich solide ist. Von den 700 Millionen Einwohnern sind mehr als die Hälfte unter 35 Jahre alt, und 63 % der Generation Z sind in sozialen Medien aktiv.
Diese Menschen haben Gewohnheiten beim Anschauen von Kurzvideos und beim Kaufen über Live-Streams, die denen der chinesischen Post-90er und Post-00er fast identisch sind. TikTok kann das in China etablierte Modell"Kurzvideos + Live-Shopping" fast ohne große Anpassungen kopieren und sich so schnell im südostasiatischen Markt etablieren und kommerziell verwerten.
Quelle: Internet
In den nächsten fünf Jahren könnte Südostasien ein neues Gesicht bekommen
TikToks Aktion sieht auf den ersten Blick wie eine geschäftliche Positionierung aus, aber dahinter steckt eine noch größere "Ambition".
Sobald die digitale Infrastruktur in Thailand steht, könnte dies den industriellen Wandel in ganz Südostasien vorantreiben. Zum Beispiel könnten nach der Verbesserung der Cloud-Computing-Fähigkeiten mehr KI-Unternehmen dort Rechenzentren einrichten; mit ausgereifter Cybersicherheitstechnologie würden auch Branchen wie Fintech und grenzüberschreitende Zahlungen profitieren. Kurz gesagt, TikTok legt damit das Fundament für sein zukünftiges südostasiatisches Ökosystem.
Allerdings muss man sagen, ob die 8,8 Milliarden US-Dollar tatsächlich große Wellen schlagen werden, hängt davon ab, ob TikTok die "weichen Hürden" wie lokale Politik und Kultur überwinden kann. Schließlich ist der südostasiatische Markt komplex und vielfältig; reine Kapitalinvestitionen reichen nicht aus. Die Integration in die lokale Kultur und die Anpassung an das politische Umfeld sind entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg.



