In der chinesischen E-Commerce-Exportoffensive gilt Temu von Pinduoduo stets als „Preisschlitzer".

Doch das dunkle Pferd hat kürzlich seine Taktik geändert und in der südkoreanischen Provinz Gyeonggi ein riesiges Logistikzentrum mit 165.000 Quadratmetern angemietet, direkt in der Nähe des Flughafens Incheon und des Hafens Gimpo.

Eingeweihte wissen: Temu will sich nicht mehr nur auf den 9,9-Dollar-Versand verlassen, sondern mit den lokalen Giganten in Südkorea um die Geschwindigkeit kämpfen.

Temu errichtet Logistikzentrum in Südkorea Quelle: nate

Ein Lagerhaus so groß wie 16 Fußballfelder – Temus Ambitionen

Wie groß ist dieses Logistikzentrum? Es entspricht 23 Standard-Fußballfeldern.

Noch entscheidender ist die geografische Lage: Weniger als 30 Minuten vom Flughafen Incheon entfernt, können Waren aus China direkt nach der Landung eingelagert werden. Temu plant zudem, dort ein südkoreanisches Büro einzurichten – ein klares Zeichen für eine lokale Verankerung. Nach Plan soll sich die Lieferzeit für chinesische Waren halbieren: Statt zwei Wochen für Kleinartikel aus Yiwu könnten diese nun in fünf Tagen bei südkoreanischen Käufern ankommen.

Doch Temus eigentlicher Trumpf ist das im Februar eingeführte L2L-Modell (Local to Local). Einfach gesagt: Lokale Verkäufer in Südkorea werden an Bord geholt; nach einer Bestellung wird von deren Lager versendet, mit Lieferung am nächsten Tag. Dieses Modell verwandelt den grenzüberschreitenden Handel in lokalen E-Commerce und kann sogar mit Coupangs „Raketenlieferung" konkurrieren.

Temu wirbt umfassend um südkoreanische Verkäufer Quelle: The JoongAng

Das Geheimnis von 8 Millionen monatlichen Nutzern: Sind Südkoreaner süchtig nach „Einmal schneiden"?

Obwohl Temu erst seit etwas mehr als zwei Jahren in Südkorea ist, sind die Daten bereits der Neid der Konkurrenz.

Bis Ende letzten Jahres erreichte die monatlich aktiven Nutzer in Südkorea 8,23 Millionen, und der diesjährige Umsatz soll 600 Milliarden KRW übersteigen. Obwohl dies nicht mit Coupangs 20 Billionen KRW Jahresumsatz vergleichbar ist, ist die Wachstumsrate erschreckend – bedenkt man, dass Temu fast vier Jahre später als AliExpress in Südkorea einstieg.

Besonders junge Südkoreaner verfallen Temus Strategie. Nachts am Handy sehen sie kabellose Kopfhörer für 9,9 Dollar, teilen sie mit Freunden und bekommen sie schließlich für 3 Dollar. Diese in China bereits ausgereizte soziale Verbreitung wirkt in Südkorea wie ein Overkill.

Quelle: Google

Logistik-Wettrüsten: Chinesische Giganten belagern südkoreanische Platzhirsche

Temus Aktion schürt das ohnehin hitzige Logistikrennen in Südkorea weiter an.

Der lokale Marktführer Coupang hat gerade 300 Milliarden KRW für ein KI-Logistikzentrum angekündigt und plant bis 2027 Gesamtinvestitionen von 3 Billionen KRW; AliExpress arbeitet mit der südkoreanischen Shinsegae-Gruppe zusammen und plant ein eigenes Logistikzentrum für 200 Millionen Dollar; selbst die Secondhand-Plattform Karrot hat einen innerstädtischen Halbtages-Lieferservice eingeführt.

Am intensivsten ist der Wettbewerb bei der Lieferzeit. Naver hat die durchschnittliche Lieferzeit auf 5,8 Stunden gedrückt, 11Street bietet Wochenend-Expresslieferung, und Temus L2L-Modell kann bereits am nächsten Tag liefern. Doch südkoreanische Verbraucher wollen offenbar mehr. Umfragen zeigen, dass 50% der Menschen bei Bestellungen die Geschwindigkeit als oberste Priorität betrachten.

Coupang baut neues KI-Logistikzentrum Quelle: nate

Hinter dem Geldverbrennungskrieg: Wer überlebt bis zur Erhöhung der Versandkosten?

Derzeit kämpfen alle um Logistik, was im Kern Geldverbrennung für Marktanteile ist. Temus Miete für das Logistikzentrum plus Verkäuferzuschüsse kosten monatlich mindestens Dutzende Milliarden KRW; Coupangs Logistikausgaben machen 12% des Umsatzes aus, doppelt so viel wie der Branchendurchschnitt.

Doch niemand wagt es, nachzulassen, denn der südkoreanische E-Commerce-Markt hatte im letzten Jahr ein Volumen von 242 Billionen KRW (1,4 Billionen CNY), und der Abstand zwischen den Top-Zwei Coupang und Naver beträgt weniger als 2 Prozentpunkte.

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Der grenzüberschreitende Krieg greift auf die Lieferkette über

Temus Anmietung eines Lagers in Südkorea sendet ein gefährlicheres Signal, als man denkt.

Die Kombination aus „Made in China", lokaler Lagerhaltung und extrem niedrigen Preisen trifft nicht nur Coupang, sondern auch kleine und mittlere südkoreanische Verkäufer.

Wenn Hemden für 3 Dollar und Bluetooth-Kopfhörer für 5 Dollar aus dem Lager in Incheon verschickt werden, wer wird dann noch auf dem Großmarkt in Dongdaemun feilschen?

Hinter diesem Logistikkrieg steckt in Wirklichkeit eine umfassende Vernichtung der Lieferkette.

Ob Temu den südkoreanischen E-Commerce umkrempelt oder die lokalen Giganten zurückschlagen, hängt letztlich davon ab, wessen Geldgeber die dickeren Brieftaschen haben.