Wenn von Afrika die Rede ist, denken die meisten an weite Landstriche oder eine rückständige Infrastruktur.

Doch hier haben eine Gruppe chinesischer Unternehmer einen schnell wachsenden Konsumbereich entdeckt, nämlich den Markt für Bluetooth-Kopfhörer.

Laut Daten von Jumia, der größten E-Commerce-Plattform Afrikas, war der Verkaufsschlager bei Bluetooth-Kopfhörern im Jahr 2023 nicht Samsung oder Apple, sondern die chinesische Marke Oraimo.

In Ländern wie Nigeria und Kenia hält sie seit Jahren konstant den ersten Marktanteil und lässt so manche internationale Großmarke weit hinter sich.

Wie hat Oraimo das geschafft?

Quelle: Google

Der "Sohn" des afrikanischen Handykönigs

Wenn man über Oraimo spricht, muss man zunächst über seine Muttergesellschaft Transsion Holdings sprechen.

Bekanntlich ging Transsion Holdings im September 2019 mit einem Eröffnungskurs von 53 Yuan/Aktie an das STAR Market und erreichte am ersten Handelstag einen Marktwert von 42,4 Milliarden Yuan, womit es das erste inländische Unternehmen war, das im Bereich Mobiltelefone an das STAR Market ging. Dieses in China wenig bekannte Unternehmen zeigt auf dem afrikanischen Markt eine erstaunliche Dominanz, liegt seit Jahren konstant vor Apple, Samsung und Huawei an der Spitze der Verkaufszahlen und verdient den Titel "Afrikanischer Handykönig" zu Recht.

Erfolgreicher Börsengang von Transsion Holdings Quelle: Shanghai Roadshow

Doch die Zweifel des Kapitalmarktes an Transsion haben nie aufgehört. Die übermäßige Abhängigkeit vom afrikanischen Markt und der Umsatzstruktur des Handygeschäfts stellt das Unternehmen stets vor eine Wachstumsgrenze. Die Wende kam im Jahr 2023. Die Finanzdaten zeigten, dass das Handygeschäft im Jahresvergleich um 34,88 % wuchs, während gleichzeitig neue Geschäfte wie digitales Zubehör und Haushaltsgeräte ein Wachstum von 16,5 % erzielten. Transsion erklärte im Finanzbericht deutlich: "Das Unternehmen treibt seine Diversifizierungsstrategie kontinuierlich voran, indem es sein Angebot um Kategorien wie digitales Zubehör und Haushaltsgeräte erweitert."

Tatsächlich hatte Transsion die Weichen für diesen Wandel schon lange gestellt. Derzeit hat Transsion eine Geschäftsmatrix aufgebaut, die aus drei großen Handymarken (TECNO, Infinix, itel) als Hauptpfeilern und Oraimo (digitales Zubehör), Syinix (Haushaltsgeräte) und Carlcare (Kundendienst) als Flanken besteht. In Kombination mit den selbst entwickelten Betriebssystemen wie HiOS und itelOS bildet dies eine vollständige Ökosystemkette aus "Hardware + Software + Service". Diese strategische Ausrichtung bietet eine systemische Unterstützung für die Entwicklung der Submarken.

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Oraimo ist ein typisches Beispiel, das aus diesem System hervorgegangen ist. Bis 2023 decken die Produkte der Marke über 50 Länder und Regionen ab, darunter Afrika, Südostasien und Lateinamerika, und haben insgesamt über 100 Millionen Nutzer erreicht. Bemerkenswert ist, dass das Produktdesign überall die Einsicht in lokale Bedürfnisse widerspiegelt. Es optimiert die Akkulaufzeit für die häufigen Stromausfälle in Afrika, verbessert die Stoß- und Wasserfestigkeit für die staubige und regnerische Umgebung und verfeinert sogar die Anzeige des Akkustands, um sich an die instabile Stromversorgung anzupassen. Diese auf realen Nutzungsszenarien basierenden Verbesserungen sind der Schlüssel zur Erschließung des Marktes.

Quelle: Oraimo

Social-Media-Strategie, die afrikanische Jugendliche begeistert

Auch beim Markenmarketing hat Oraimo viel Aufwand betrieben. Am Beispiel von TikTok haben sie eine bodenständige Taktik entwickelt. Derzeit betreibt die Marke 11 regionale Konten, darunter das offizielle nigerianische Konto @oraimonigeria mit über 370.000 Followern und 4,2 Millionen Video-Likes, was es zu einem der aktivsten Consumer-Electronics-Konten in Afrika macht.

Quelle: TikTok

Live-Shopping ist eine wichtige Strategie von Oraimo. In den afrikanischen und südostasiatischen Märkten setzen sie auf ein Modell mit lokalen Moderatoren + Influencern, um die Produktleistung über TikTok Shop Live-Streams zu demonstrieren. Die Moderatoren zeigen live die Wasserfestigkeit der Kopfhörer oder testen die Akkulaufzeit, während gleichzeitig zeitlich begrenzte Rabatte die Konversion fördern. Im Jahr 2023 erzielte Oraimo bei einem einzigen Live-Stream auf TikTok Indonesien einen Umsatz von über 100.000 US-Dollar, und der monatliche Absatz einiger Bestseller-Kopfhörer stieg um 200 %. Auf dem indonesischen Markt verknüpften sie TikTok-Kurzvideos mit Shopee Live, um einen Traffic-Kreislauf zu schaffen.

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Bei der Werbeanzeigenschaltung setzt Oraimo ebenfalls auf eine effektive Kombination. Sie legen großen Wert auf die Content-Erstellung und verbinden Produkteigenschaften geschickt mit TikTok-Trends. Bei der Promotion des Boom Speaker beispielsweise wählen Influencer beliebte Audio-Tracks der Plattform aus und integrieren das Produkt natürlich in trendige Inhalte, sodass die Anzeige eher wie ein von einem normalen Nutzer erstelltes Video wirkt und nicht wie eine plumpe kommerzielle Werbung.

Während des Anzeigenprozesses nutzt Oraimo auch das Nutzerdatensystem von TikTok für präzises Targeting. Sie filtern die Zielgruppe nach mehreren Dimensionen wie Alter, Geschlecht, Standort und Interessen, um sicherzustellen, dass jede Anzeige die Nutzer erreicht, die am wahrscheinlichsten an dem Produkt interessiert sind, und steigern so die Effizienz der Anzeigenschaltung erheblich.

Diese Anzeigenstrategie hat auf dem kenianischen Markt bemerkenswerte Erfolge erzielt. Bei der Promotion des Boom Speaker erreichte der relevante Hashtag innerhalb eines Monats 5 Millionen Aufrufe. Dies zeigt deutlich, dass Oraimo durch die Integration des Produkts in trendige Inhalte erfolgreich die Aufmerksamkeit vieler Nutzer auf sich gezogen und die Markenbekanntheit effektiv gesteigert hat.

Quelle: TikTok

Bei der Zusammenarbeit mit Influencern hat Oraimo ebenfalls strenge Auswahlkriterien. Sie achten nicht nur auf die Followerzahl, sondern auch darauf, wie gut der Content-Stil zur Markenidentität passt. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Tech-Influencer @edithbroutv (156.100 Follower). In dem Kooperationsvideo verwendete @edithbroutv nicht die traditionelle Produktvorstellung, sondern integrierte die Oraimo-Kopfhörer in alltägliche Szenen – von einer lauten Straße bis zu einem belebten Café – und dokumentierte durchgehend die Geräuschunterdrückung und den Tragekomfort. Dieser Produkttest in realen Szenen erzielte schließlich fast eine Million Aufrufe und 83.100 Likes, weit mehr als bei gewöhnlichen Werbevideos.

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D2C-Website: Die letzte Meile zum Nutzer verkürzen

Auch beim Aufbau der D2C-Website hat Oraimo neue Wege beschritten.

Die Website hat ein schlichtes, modernes Design, die Produktkategorien sind klar strukturiert. Von Kopfhörern über Ladegeräte bis hin zu Smartwatches – jede Kategorie wird mit hochauflösenden Produktbildern und detaillierten Funktionsbeschreibungen präsentiert. Diese intuitive Darstellung ermöglicht es afrikanischen Nutzern, die Produkteigenschaften auch bei schlechten Netzwerkbedingungen schnell zu erfassen.

Quelle: Oraimo D2C-Website

Bei der Traffic-Generierung setzt Oraimo ebenfalls auf eine geschickte Kombination aus "Social Media + D2C-Website". So haben sie beispielsweise in der TikTok-Profilbeschreibung einen Link platziert, über den man direkt zur D2C-Website gelangt und bestellen kann, was den Konversionspfad erheblich verkürzt.

Lokalisierung ist ein weiterer entscheidender Faktor. Für verschiedene Märkte bietet die D2C-Website der Marke nicht nur lokale Sprachversionen, sondern integriert auch afrikanische Mainstream-Zahlungsmethoden wie M-Pesa und unterstützt sogar "Nachnahme", was in Regionen mit geringer Kreditkartendurchdringung besonders wichtig ist.

Quelle: Oraimo D2C-Website

Chinesische Marken im Auslandsgeschäft: Ein anderer Ansatz

Während der europäische und amerikanische Markt aufgrund von Zollschwankungen in Bewegung ist, erinnert der Erfolg von Oraimo in Afrika chinesische Unternehmen daran, dass es sich lohnt, statt im roten Ozean zu kämpfen, einen Blick auf die aufstrebenden Märkte zu werfen.

Regionen wie Südostasien, Afrika und Lateinamerika haben zwar eine relativ rückständige Infrastruktur, aber die Verbreitung des mobilen Internets nimmt rasant zu, und die Kaufkraft der jungen Konsumentengruppe ist nicht zu unterschätzen.

Für chinesische Unternehmen ist jetzt ein guter Zeitpunkt, in diesen Märkten Fuß zu fassen. Eine gut ausgebaute Lieferkette in Kombination mit einem tiefen Verständnis der lokalen Bedürfnisse kann in diesen blauen Ozeanen neue Wachstumsquellen erschließen.

Internationalisierung ist nie eine Multiple-Choice-Frage, und der europäische und amerikanische Markt ist nicht die einzig richtige Antwort!