Sprache wechseln, zur thailändischen Version wechseln, Produktüberschriften und Detailseiten werden augenblicklich in fließendes Thailändisch übersetzt, die Bezahlung erfolgt in Baht – die junge Generation Thailands nutzt die neu gestartete thailändische Version von Taobao, um die riesige Auswahl chinesischer Produkte zu entdecken.
In nur etwas mehr als einem Monat ist die Zahl der neuen Nutzer auf der thailändischen Plattform im Vergleich zum Vorjahr um fast 60% gestiegen, und die Bestellungen strömen wie eine Flut zu den chinesischen Händlern.
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Lokalisierung als Durchbruch: Doppelter Angriff auf Sprache und Logistik
Die Besonderheiten des thailändischen Marktes liegen auf der Hand. In diesem Land mit über 70 Millionen Einwohnern ist der Anteil junger Menschen hoch, die Internetdurchdringung ist führend in Südostasien, doch seit langem sind Sprachbarrieren und Probleme bei der grenzüberschreitenden Logistik ein Hindernis.
Früher mussten thailändische Verbraucher beim Einkauf auf Taobao auf Übersetzungstools von Drittanbietern zurückgreifen, und der Bezahlvorgang war umständlich. Die neue thailändische Version verwendet jedoch eine von Alis Tongyi Large Model entwickelte KI-Übersetzungsmaschine, sodass Systemoberfläche, Produktüberschriften und Detailseiten vollständig auf Thailändisch angezeigt werden. Im Zahlungsprozess wird die direkte Abrechnung in Baht unterstützt, was die Probleme des Währungsumtauschs vollständig beseitigt.
Auch der Logistikservice wurde gleichzeitig aufgerüstet. Taobao hat in Thailand die „Versandkostenfrei ab 99 Yuan“-Regel eingeführt und innovativ einen „lokalen Rückgabeservice“ eingerichtet – Kunden in Bangkok, die Sportschuhe aus China kaufen, können ihre Ware im besten Fall schon nach 7 Tagen erhalten. Im Falle einer Rückgabe muss die Ware nur an ein lokales Lager in Thailand geschickt werden, internationale Versandkosten entfallen.
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Beschleunigte Expansion: Strategische Züge in zwei Ländern innerhalb von zwei Monaten
Der Start der thailändischen Version ist kein Einzelfall. Ein Blick auf den Zeitplan von Taobaos Internationalisierung zeigt einen klaren Expansionspfad: Im Mai dieses Jahres brachte Taobao eine russische Version in Kasachstan auf den Markt; nur zwei Monate später folgte blitzschnell die thailändische Version.
Diese intensive Versionsentwicklung ist Teil des 2024 gestarteten „Taobao Tmall International Growth Plans“.
Das Kernziel dieses Plans ist es, die Markteintrittsbarrieren für Händler zu senken – die Händler behalten Eigentums- und Preisgestaltungshoheit über ihre Waren, es entstehen keine zusätzlichen Betriebskosten, sie müssen nur die Auslandsbestellungen an das offizielle chinesische Sammellager senden, die anschließende grenzüberschreitende Logistik wird vollständig von der Plattform übernommen.
Die effiziente Umsetzung auf strategischer Ebene entspricht dem enormen Wachstumspotenzial des südostasiatischen Marktes.
Laut Priceza.com wird das E-Commerce-Volumen in Thailand im Jahr 2024 1,1 Billionen Baht (ca. 214 Milliarden RMB) erreichen, ein Anstieg von 14% gegenüber dem Vorjahr, und bis 2027 voraussichtlich 1,6 Billionen Baht überschreiten.
Der Wunsch der jungen Generation nach vielfältigen Produkten treibt die Umgestaltung des Marktes voran.
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Chancen und Herausforderungen: Unterströmungen im Boom der Internationalisierung
Hinter den beeindruckenden Zahlen steht Taobao auf seinem Weg zur Globalisierung weiterhin vor zahlreichen Herausforderungen. Im April dieses Jahres löste eine plötzliche Änderung der Zollpolitik in Europa und den USA einen Ansturm auf chinesische Produkte aus, die Taobao-Downloads im Ausland stiegen in einer Woche um 222% und führten die Download-Charts in 16 Ländern an. Auf sozialen Plattformen stieg die Popularität des Themas „How to shop on taobao“ rasant an.
Doch die lokalen E-Commerce-Giganten in den einzelnen Ländern haben längst ihre Schutzwälle errichtet. In Thailand gibt es mit Lazada, Shopee und anderen seit Jahren etablierte Plattformen, die die Konsumgewohnheiten und Marketingzyklen der Verbraucher besser verstehen und steuern können.
Chinesische Produkte bieten zwar ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, aber die Reaktionsgeschwindigkeit im After-Sales-Service und die Lokalisierung bleiben langfristige Herausforderungen.
Die noch größere Herausforderung liegt in der Anpassung an das Ökosystem. Taobao muss einen Ausgleich finden zwischen unterschiedlichen Zahlungsgewohnheiten (wie dem in Thailand beliebten PromptPay), logistischer Infrastruktur (z.B. Effizienz der Zustellung auf Inseln) und sogar ästhetischen Vorlieben (wie der Vorliebe thailändischer Verbraucher für farbenfrohe Kleidung).
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Als Taobaos „Thailand-Bericht“ nach China zurückkehrte, haben unzählige chinesische Händler bereits neue Geschäftsmöglichkeiten gewittert – eine ausgereifte Plattform, die thailändische Kommunikation, Baht-Abrechnung und lokale Rückgabe unterstützt, wird zur goldenen Sprungbrett für chinesische Produkte nach Südostasien.
Der Kampf um den südostasiatischen Markt ist in eine tiefe Phase eingetreten. Die thailändische Version von Taobao ist ein entscheidender Zug, der nicht nur die eigene Globalisierung beflügelt, sondern auch die Wettbewerbslandschaft des regionalen E-Commerce leise neu gestaltet. Mit den anhaltenden Investitionen von Alibaba steuert Taobao in Südostasien auf noch größere Märkte zu – doch die eigentlichen Prüfungen und Herausforderungen stehen vielleicht erst am Anfang.
