Mit der Beschleunigung der weltweiten Digitalisierung der Wirtschaft steht die steuerliche Überwachung des grenzüberschreitenden E-Commerce vor einem bedeutenden Wandel.
Ab Oktober dieses Jahres tritt die von der Staatlichen Steuerbehörde eingeführte „Vorschrift zur Meldung steuerrelevanter Informationen von Internetplattform-Unternehmen“ offiziell in Kraft. Sie verlangt von allen grenzüberschreitenden Plattformen, die Identitäts- und Einkommensdaten chinesischer Verkäufer an die Steuerbehörden zu melden.
Diese neue Regelung gestaltet nicht nur das Modell der Steuererhebung und -verwaltung neu, sondern hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf das operative Geschäft der Verkäufer, die Plattformstrategien und das Branchenökosystem.

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Kerninhalte der neuen Vorschrift und differenzierte Reaktionen der Plattformen
Die neue Vorschrift schreibt klar vor, dass in- und ausländische grenzüberschreitende E-Commerce-Plattformen regelmäßig Identitätsinformationen, Umsätze und Transaktionsdetails der Verkäufer an die Steuerbehörden melden müssen. Die erste Meldung muss die Daten von Juli bis September abdecken, danach erfolgt die Meldung vierteljährlich.
Verkäufer mit einem Jahresumsatz von mehr als 5 Millionen Yuan müssen sich als allgemeine Steuerzahler registrieren lassen. Es ist strengstens untersagt, durch Aufteilung der Einnahmen oder Änderung des Rechtsträgers der Steuerpflicht zu entgehen. Plattformen, die ihren Pflichten nicht nachkommen, tragen die entsprechende rechtliche Verantwortung.
Derzeit haben AliExpress und Shein die Verkäufer proaktiv informiert und aufgefordert, ihre gesamten Einnahmen aus allen Kanälen zusammenzufassen und fristgerecht zu melden. Internationale Plattformen wie Amazon haben sich bislang noch nicht öffentlich geäußert, was möglicherweise auf die Komplexität ihrer globalen Geschäftsstrukturen zurückzuführen ist und Zeit für die Anpassung der Compliance-Prozesse erfordert.
Die Allgemeingültigkeit der Vorschrift bedeutet jedoch, dass sich letztlich alle Plattformen an die neuen Regeln anpassen müssen, andernfalls droht das Risiko des Marktzugangsverlusts.

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Überlebensregeln für Verkäufer: Compliance-Herausforderungen und strategischer Wandel
Für Verkäufer ist die Umsetzung der neuen Vorschrift sowohl eine Belastung als auch eine Chance.
Einerseits erhöht die steuerliche Transparenz die Betriebskosten und die Compliance-Belastung direkt. Verkäufer mit einem Jahresumsatz von mehr als 5 Millionen Yuan müssen zum allgemeinen Steuerzahler wechseln, was strengere Buchhaltungsanforderungen und eine höhere Komplexität der Steuererklärung bedeutet. Einige kleine und mittlere Verkäufer, die auf Steuervergünstigungen angewiesen sind, könnten mit schrumpfenden Gewinnspannen konfrontiert werden oder sogar gezwungen sein, ihre Geschäftsstruktur zu optimieren.
Andererseits zwingt die neue Vorschrift die Verkäufer zu einer präziseren Betriebsführung. Unternehmen müssen ihre Finanzprozesse neu ordnen, Einnahmen aus mehreren Plattformen integrieren und mit professionellen Steuerwerkzeugen die Effizienz steigern.
Langfristig wird die Compliance spekulative Verkäufer vom Markt verdrängen und Unternehmen, die Wert auf Markenaufbau und langfristige Entwicklung legen, ein faireres Wettbewerbsumfeld schaffen.
Verkäufer können drei Strategien anwenden: Erstens, sich aktiv über Steuerpolitik informieren und die Unterstützung der lokalen Regierung für den grenzüberschreitenden E-Commerce nutzen; zweitens, die Lieferkette und das Preismodell optimieren, um die Auswirkungen steigender Steuerkosten auszugleichen; drittens, die Compliance-Fähigkeit in Wettbewerbsfähigkeit umwandeln und durch transparente Geschäftspraktiken das Vertrauen der Verbraucher gewinnen.

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Reaktion der Plattformen: Compliance wird zum unvermeidlichen Trend
Für grenzüberschreitende E-Commerce-Plattformen stellt die neue Vorschrift nicht nur eine Herausforderung für die Verkäufer dar, sondern verlangt auch von den Plattformen selbst eine höhere Compliance-Kompetenz.
1. Erhöhter Druck bei der Datenübermittlung
Plattformen müssen ein umfassenderes System zum Management steuerlicher Daten aufbauen, um sicherzustellen, dass sie die Transaktionsdaten der Verkäufer korrekt und rechtzeitig an die Steuerbehörden übermitteln können. Plattformen mit schwächerer technischer Ausstattung müssen möglicherweise mehr Ressourcen in System-Upgrades investieren.
2. Anpassung der Plattformrichtlinien
Einige Plattformen könnten die Zulassungsregeln für Verkäufer anpassen, z.B. die Zugangshürden erhöhen oder die Überprüfung verschärfen, um potenzielle steuerliche Risiken zu minimieren. Darüber hinaus könnten Plattformen mehr steuerliche Hilfsmittel anbieten, um den Meldeprozess für Verkäufer zu vereinfachen.
3. Möglicherweise steigende Branchenkonzentration
Durch die steigenden Compliance-Kosten könnten einige kleine Verkäufer den Markt verlassen, während kapitalkräftige und compliance-starke Verkäufer einen Wettbewerbsvorteil erlangen. Langfristig könnte sich die Branche auf die führenden Anbieter konzentrieren und auch die Wettbewerbslandschaft zwischen den Plattformen verändern.

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Fazit
Die Umsetzung der neuen steuerlichen Vorschriften für den grenzüberschreitenden E-Commerce markiert das Ende der Ära des ungezügelten Wachstums und den Beginn einer Entwicklung hin zu mehr Compliance in der Branche.
Von der betrieblichen Aufwertung der Verkäufer bis zur strategischen Anpassung der Plattformen, vom kurzfristigen Schmerz bis zum langfristigen gesunden Wettbewerb – dieser Wandel wird die Branchenstruktur tiefgreifend umgestalten.
In Zukunft werden nur Unternehmen und Plattformen, die proaktiv Compliance annehmen und sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, in der Globalisierungswelle bestehen und ein transparenteres und nachhaltigeres neues Handelsökosystem schaffen können.
